Börse: Grundlagen


Börse: Grundlagen
Börse: Grundlagen
 
Die Börse ist als eine besondere Marktform der Treffpunkt, um bewegliche Objekte öffentlich zu standardisierten Vertragsbedingungen zu handeln. Man kann die Börse je nach Handelsobjekt einteilen in: Effekten- oder Wertpapierbörse (Börse im engeren Sinne), die dem Handel von fungiblen Wertpapieren (z. B. Aktien und festverzinsliche Wertpapiere) dient; Devisenbörse als zentraler Handelsort für Devisen; Warenbörse, an der Waren (z. B. landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe) gehandelt werden.
 
Wenn der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sowie die vertragliche Leistung und Gegenleistung, das heißt Lieferung beziehungsweise Abnahme der Handelsobjekte und Zahlung beziehungsweise Zahlungsannahme, zeitlich zusammenfallen, spricht man von einer Kassabörse (Kassamarkt). Liegt der Erfüllungszeitpunkt in der Zukunft, wählt man die Bezeichnung Terminbörse (Terminmarkt). Je nach dem Grad der Automation des Handels wird zwischen der Präsenzbörse, bei der die am Handel beteiligten Vertragspartner persönlich im Börsengebäude anwesend sind, und der Computerbörse unterschieden. Hier sind die Handelspartner dezentral über telekommunikative Hilfsmittel mit einem zentralen Börsencomputer verbunden. Die wichtigsten Börsen sind heute die Wertpapierbörsen.
 
 Funktionen der Wertpapierbörsen
 
Vorrangige Aufgabe von organisierten Wertpapierbörsen (Effektenbörsen) ist es, das angebotene Kapital in diejenigen Investitionsvorhaben zu bringen, die die höchsten Renditen erzielen. In ihrer Hauptfunktion als Emissionsmarkt führt die Börse Kapitalgeber und Kapitalnehmer unter hoher Rechtssicherheit zusammen und ermöglicht die Finanzierung langfristiger Investitionsprojekte durch die Emission (Ausgabe) von Schuldverschreibungen (z. B. Anleihen) und Beteiligungspapieren (z. B. Aktien).
 
Um den unterschiedlichen Vorlieben der Marktpartner gerecht werden zu können und gleichzeitig den Kreis potenzieller Käufer am Primärmarkt zu erhöhen, erfüllt die Börse die wichtige Sekundärmarkt- bzw. Zirkulationsfunktion. Diese Funktion beinhaltet die zu den jeweiligen Börsenhandelszeiten mögliche Handelbarkeit der bereits platzierten Effekten. Damit ermöglicht die Börse die Umformung unterschiedlich hoher Geldbeträge durch die Konzentration vieler kleinerer Ersparnisse zur Finanzierung großer Investitionsvorhaben von Unternehmen oder der öffentlichen Hand. Die Fristentransformation (Umformung unterschiedlich langer Zeithorizonte) erlaubt es den meist kurz- bis mittelfristig orientierten Kapitalanlegern, jederzeit an der Börse gehandelte Effekten zu erwerben oder zu veräußern, um sich flexibel an langfristigen Investitionen zu geringen Kosten zu beteiligen oder wieder zu lösen. Die Börse hilft dem Kapitalanleger, das Risiko einer zu geringen Verzinsung zu reduzieren, indem er sein Kapital gestreut in verschiedenen Wertpapieren anlegen kann. Die Konzentration von Angebot und Nachfrage an einem zentralen Treffpunkt führt zur Kursbildung, das heißt zur Preisfindung für die in Umlauf befindlichen Effekten. Die Kurse werden sowohl von der aktuellen wie auch der erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung der Emittenten beeinflusst. Daneben fließen aber auch Informationen über allgemeine volkswirtschaftliche Vorgänge oder innen- und außenpolitische Maßnahmen in die Kursbildung ein.
 
 Börsenplätze und Entwicklungstendenzen
 
In Deutschland gibt es acht Präsenzbörsen: Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart. Zusätzlich wurde von der Frankfurter Wertpapierbörse Ende 1997 mit Xetra® (Exchange electronic trading) ein elektronisches Handelssystem eingeführt, das es den Börsenmitgliedern erlaubt, sich von jedem beliebigen Standort im In- oder Ausland aus über miteinander vernetzte Computer am Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren zu beteiligen. Frankfurt am Main ist nach New York, Tokio und London der weltweit viertgrößte börsenmäßig organisierte Umschlagplatz für Effekten. Die fortschreitende Computerisierung des Börsenhandels führt zu zahlreichen Kooperationen und strategischen Allianzen zwischen internationalen Börsenplätzen. Vor dem Hintergrund der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion haben sich die deutsche und schweizerische Terminbörse zur Eurex (European Exchange) zusammengeschlossen. Die Frankfurter Börse kooperiert seit Jahresbeginn 1999 mit der Londoner Börse, indem die Börsenteilnehmer beider Länder Zugang zur jeweils anderen Computerbörse besitzen. Um den Kapitalgebern Orientierung über die Tendenz an den Wertpapierbörsen zu geben, werden Börsenindices berechnet, die z. B. die Kursentwicklung am Aktienmarkt insgesamt oder für bestimmte Branchen widerspiegeln. Der Berechnung eines Aktienindex werden entweder alle an einem Börsenplatz notierten Aktien zugrunde gelegt oder nur eine Auswahl besonders wichtiger bzw. repräsentativer Werte. Der bekannteste internationale Aktienindex ist der Dow-Jones-Index, der den Durchschnitt der Aktienkurse von ausgewählten umsatzstarken Unternehmen an der New Yorker Börse abbildet.

Universal-Lexikon. 2012.

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